Thema des Monats Januar 2003
Ergebnisse der Akteurskonferenz Versorgungstechnik

Im Info-Dienst 2/2002 haben wir über den Verlauf der Akteurskonferenz Versorgungstechnik am 13./14. Juni 2002 bei der Fa. Wilo AG in Dortmund berichtet. Einige Informationen wurden auch schon auf dieser Homepage zur Verfügung gestellt. Nun liegt die Auswertung der Akteurskonferenz vor, deren Ergebnisse hier auszugsweise dargestellt werden.

Arbeits- und Geschäftsfelder der Versorgungstechnik

Ein Bild sagt mehr als 1 000 Worte - so ein bekanntes und geflügeltes Wort. Die Abbildung soll daher für eine unvollständige Übersicht zu den Teilbereichen und Themen der Versorgungstechnik stehen. Hinter den eingetragenen Begriffen und Bezeichnungen verbergen sich in aller Regel Arbeits- und Geschäftsprozesse, um die es in der Versorgungstechnik geht.



Nachhaltigkeit in der Versorgungstechnik - Ergebnisse der Akteurskonferenz

Zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung in der Berufsbildung im Handwerk ist es unbedingt notwendig, den Begriff inhaltlich zu füllen. Er erscheint unklar und ist Praktikern/innen nur schwer zu vermitteln. Das Interesse der Praktiker/innen kann dann vorausgesetzt werden, wenn ein unmittelbarer Nutzen gesehen wird, z. B. Kosteneinsparungen, ein verbesserter Arbeits- und Gesundheitsschutz, Rechtssicherheit, verbesserte Kompetenz bei der Beratung von Kunden, verbesserte Marktchancen durch Erbringung neuer Dienstleistungen. Wichtig ist es, immer zwei Aspekte zu berücksichtigen: der Kunde muss es wollen und der Handwerker muss es können. Daraus ergibt sich, dass der Nutzen für die angesprochenen Adressaten deutlich werden muss.

In diesem Sinne werden im folgenden Aussagen und Empfehlungen von Teilnehmern der Akteurskonferenz aufgelistet, die zur Kennzeichnung
  • der Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen
  • der Ist-Situation in der Versorgungstechnik
  • des Qualifizierungsbedarfs bei den Fachkräften
  • der Umsetzungsschritte
beitragen können.

Erwartungen und Empfehlungen an politische Instanzen

Die Politik sollte den eingeschlagenen Weg in Richtung einer nachhaltigen (Energie-) Wirtschaft konsequent weiter verfolgen und die bereits erlassenen Gesetze und Maßnahmen stetig ergänzen und weiter entwickeln. Wichtiges Ziel dabei sollte sein, durch geeignete Maßnahmen auch einen wirtschaftlichen Anreiz für den nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen zu schaffen. Die ökologische Steuerreform ist ein erster wesentlicher Schritt hierzu. Sobald ein deutlicher wirtschaftlicher Anreiz zum effizienten Energie- und Ressourceneinsatz gegeben ist, resultiert daraus automatisch ein Impuls für Forschung und Entwicklung, sich verstärkt um effiziente Komponenten und Systeme zu bemühen. Die derzeitige Unterstützung für die Entwicklung effizienter Technik erscheint ausreichend, da das größte Hemmnis für Effizienz nicht in der Nicht-Verfügbarkeit effizienter Technik liegt, sondern an den mangelnden Anreizen für ihren Einsatz.

Gleichzeitig sprechen die Akteure die Befürchtung aus, dass - wenn obige Maßnahmen in anderen Ländern nicht europaweit oder sogar global vereinbart werden - dieses zu einer verzerrten Konkurrenzsituation der heimischen handwerklichen und industriellen Betriebe führen wird. Es wird häufig die Meinung vertreten: Deutschland tut im Umweltschutz - im Vergleich zu anderen - sowieso bereits genug.

Für bereits aktive Unternehmen ist eine breite Allianz von Unterstützern wünschenswert, die gemeinsam gegen die Haupthemmnisse - Informations- und Motivationsdefizite sowie restriktive Amortisationser-wartungen - angehen. Beispielsweise könnten Handwerks- und Industrieverbände ihre spezifischen Kommunikationsstrukturen nutzen, um das vorhandene Wissen über Nachhaltig-keit und Effizienztechniken in ihren Kreisen zu verbreiten und auf die Vorteile nachhaltigen Wirtschaftens aufmerksam zu machen.

Als Beispiele zur Nachahmung in der Versorgungstechnik empfehlen die Konferenzteilnehmer in diesem Zusammenhang:
  • Einrichtung einer nationalen Energiebehörde
  • Einführung eines Energie-Labels
  • eine Selbstverpflichtungserklärung des Handwerks zur nachhaltigen Ausstattung und Nutzung der Unternehmen (als Vorbildrolle für private Haushalte, aber auch für öffentliche Einrichtungen).
Nachhaltige Verbesserung der Ist-Situation

Es gibt Indizien dafür, dass der Problemdruck zu einer nachhaltigen Entwicklung für die Versorgungstechnik wächst. Als Beispiele werden energieeffiziente Anlagen, Vernetzung von Anlagenbereichen etc. genannt. Es wird empfohlen, mit der Umsetzung und Gestaltung einer ökologischen Alltagskultur in Betrieb und Unternehmen zu beginnen.

Vermisst wird eine versorgungstechnische Datenbank "Nachhaltigkeit", die eine Relevanz zu den Arbeits- und Geschäftsprozessen der Branche aufweist. Eine solche Beratungs- und Informationsstelle muss sich in das Bewusstsein der Beschäftigten im SHK-Bereich einprägen und Einlass in das berufliche Handeln finden. Eine Adresse www.nachhaltigkeit-versorgungstechnik.de wäre hilfreich.

Anpassung des Qualifikationsbedarfs

Die Bereitschaft der Öffentlichkeit, die Versorgungstechnik als Umweltbranche Nr. 1 zu verstehen und zu akzeptieren, muss weiter genutzt und gefördert werden. Die gegebene Basis ist produktiv auszubauen und zu erweitern.

Für nachhaltigkeitsförderliche Technologien muss vorlaufend ausgebildet und qualifiziert werden. Information und Beratung müssen insgesamt verstärkt werden. Das nachhaltige Wissen muss zur richtigen Zeit an den richtigen Ort kommen und abrufbar sein.

Bei der Neuordnung der versorgungstechnischen Berufe sollte die Grundbildung anders als bisher definiert werden: der prozessorientierte Umgang mit Energien und Materialien erscheint wesentlich relevanter als die Ausbildung in Lehrgängen wie Feilen, Härten etc. Der neue Beruf sollte den Sachverhalt der zunehmenden Vernetzung und der Gewerke übergreifenden Handlungen berücksichtigen.

Das Thema "Nachhaltigkeit" gehört als integrativer Teil nicht nur in die Erstausbildung, sondern sollte auch Bestandteil der Meisterausbildung sein. Die Aufnahme der Nachhaltigkeit in die Ordnungsmittel der Berufsausbildung, eine Entwicklung didaktischer Materialen und die Bereitstellung von Handreichungen und Ausbildungseinheiten sollte umgehend veranlasst und forciert werden.

Umsetzungsschritte

Die Entwicklung eines positiven Leitbildes für Nachhaltigkeit in der Öffentlichkeit muss als Grundvoraussetzung für entsprechendes wirtschaftliches Handeln gelten. Die öffentliche Förderung und Benennung durch Auszeichnungen, Geldpreise, Zertifikate etc. von SHK-Betrieben, Schulen und Ausbildungseinrichtungen, die mustergültig in Sachen Nachhaltigkeit sind, könnte dazu beitragen.

Es sind Pilotvorhaben zu entwickeln, durch die die Nachhaltigkeit in der Versorgungstechnik Aufmerksamkeit bekommt und dabei sowohl praktisch als auch theoretisch Eingang in die Branche findet. Dazu gehören beispielhafte Aktivitäten und Modelle, die dem Handwerker die Angst vor dem Einbau und dem Umgang mit neuen Technologien nehmen und bei denen der Nutzer keine Scheu vor deren Anwendung mehr hat.

Analogien zu Aktionen wie das "100 000-Dächer"-Programm sind zur Darstellung von Chancen für das Handwerk und für die herstellende Industrie umzusetzen. In diesem Sinne hilfreich wird auch die Förderung und Darstellung von regionalen Initiativen, Kooperation und Partnerschaften mit Schulen und Aus- und Weiterbildungseinrichtungen angesehen.

Abschließender Hinweis

Die Studie "Potenziale der Nachhaltigkeit in der Versorgungstechnik" enthält die ausführliche Darstellung sowohl zum Verlauf der Akteurskonferenz Versorgungstechnik als auch deren Auswertung. Die Studie liegt dem BIBB vor. Akteurskonferenz und Studie wurden vom BIBB fachlich betreut und aus Mitteln des BMBF gefördert. Wer weitergehendes Interesse hat, kann Kontakt zum Arbeitskreis Versorgungstechnik aufnehmen.

Autor: Prof. Dr. Manfred Hoppe

Archiv Index



© 2003-2016 Arbeitskreis Versorgungstechnik