Thema des Monats Juni 2003
Der neue Ausbildungsberuf Anlagenmechaniker für Sanitär- und Heizungs- und Klimatechnik (Arbeitstitel) und die daraus folgenden Veränderungen für Ausbildungsbetriebe, überbetriebliche Ausbildung sowie Berufsschulen.

Die Zusammenlegung der bisherigen Ausbildungsberufe "Gas- und Wasserinstallateur" und "Zentralheizungs- und Lüftungsbauer" scheint abgeschlossen. Es ist davon auszugehen, dass ab dem 01.08.03 nach dem neuen Berufsbild auszubilden ist. Karl-Heinz Mark, Vorsitzender des Bundesrahmenplan-Ausschusses und an der Robert-Mayer-Schule in Stuttgart tätig, hat dem Arbeitskreis Versorgungstechnik die folgende Darstellung zur Verfügung gestellt.

Die Entwicklung

Die Zusammenlegung der beiden Ausbildungsberufe war die logische Konsequenz aus den Neuorientierungen am Markt und der daraus folgenden Zusammenlegung der Ausübungsberufe entsprechend der Anlage A der Handwerksordnung. Der zunehmenden Dienstleistungsorientierung und dem Ruf nach Handwerksleistungen aus einer Hand steht aber auch eine zunehmende Differenzierung der Betriebe und deren Leistungen gegenüber.

Das Ausbildungskonzept

Konsequenterweise ist die Ausbildungsordnung des neuen Monoberufes so ausgerichtet, dass es allen Betrieben der Branche möglich ist auszubilden, unabhängig vom Schwerpunkt des Auftragsfeldes. Die zu vermittelnden Fertigkeiten und Kenntnisse sind dabei überwiegend handlungsfeldneutral formuliert.

Gleichzeitig sichert die Berücksichtigung des Handlungsfeldes, in dem der Prüfling überwiegend ausgebildet wurde, dass jeder Auszubildende in seiner Gesellenprüfung annähernd gleiche Chancen erhält. Das Handlungsfeld wird vom Betrieb festgelegt.

Die voraus gehende Ausbildung führt über die modifizierte Grundbildung und die fachlichen Kernqualifikationen der gesamten Berufsbreite hin zu den fachlich spezialisierten Fachaufgaben, die mit einem hohen Maß an Selbstständigkeit zu bearbeiten sind.

Das erklärte Hauptziel der Ausbildung ist das selbstständige Ausrüsten eines Einfamilienhauses mit den sanitär-, heizungs-, lüftungs- und umwelttechnischen Einrichtungen.

Die Vertiefung der Handlungskompetenzen in dem Handlungsfeld, in dem schwerpunktmäßig ausgebildet wird, findet am Ende der Ausbildung in den so genannten Fachaufgaben statt. Hierzu dienen insbesondere Inbetriebnahme- und Instandhaltungsaufgaben im Rahmen einer kundenorientierten Auftragsbearbeitung.

Die lange ersehnte Ausübungsberechtigung für die Elektroarbeiten des Berufs

Das Ausführen der Elektroarbeiten des Berufs ist Gegenstand der Ausbildung: Als elektrotechnisch unterwiesene Personen können die Lernenden nach einer gründlichen Unterweisung die Elektroarbeiten unter Aufsicht der betrieblichen Elektrofachkraft vor Ort üben.

Wegen des vorhandenen Gefahrenpotentials in diesem Berufsbereich ist die Einhaltung des Ausbildungsrahmenplans (Betriebe) und Rahmenlehrplans (Berufsschule) unbedingt sicher zu stellen.

Drei Lehrgänge an den überbetrieblichen Ausbildungsstätten entlasten die betriebliche Ausbildung teilweise, indem sie Grundkenntnisse und -fertigkeiten vermitteln.

Mit der Gesellenprüfung werden die Ausgebildeten dann zu elektrotechnisch befähigten Personen, die alle ausgebildeten elektrotechnischen Tätigkeiten des Berufs ausüben dürfen. Diese "befähigten Personen" müssen sich nach der Ausbildung auf dem neuesten Stand der elektrotechnischen Regelwerke halten, um "befähigt" zu bleiben.

Unter der Voraussetzung der persönlichen Reife und nach der notwendigen beruflichen Erfahrung können die Gesellen vom Unternehmer zur Verantwortlichen Elektrofachkraft des Betriebs ernannt werden.

Noch keine Anrechnung der Zwischenprüfung auf die Abschlussprüfung

Die anteilige Anrechnung der Zwischenprüfung auf die Gesellenprüfung, also die so genannte Gestreckte Abschlussprüfung, wird für die Anlagenmechaniker zwar gewünscht, jedoch vorerst nicht verwirklicht. Ein bundesweiter Versuch mit 30 Ausbildungsberufen muss vor der Einführung erfolgreich abgeschlossen werden.

Die Abschlussprüfung

Die Abschlussprüfung wird im Teil A mit dem Kernstück der praktischen Umsetzung eines fiktiven Kundenauftrags abgelegt. Jedoch soll dieser Prüfungsteil in der vorgesehenen Maximalzeit von 19 Stunden auch Planungs- und Prüfarbeiten sowie ein Fachgespräch mit dem Prüfungsausschuss beinhalten.

Der Teil B, die schriftliche Prüfung, beschäftigt sich im Prüfungsfach Arbeitsplanung mit der konkreten Planung von Installationsaufgaben und im Prüfungsfach Anlagenanalyse mit dem Schwerpunkt der Instandhaltung von Anlagen. Die Wirtschafts- und Sozialkunde wird auch zukünftig mit einbezogen und mit 20% gewichtet.

Archiv Index nächste Seite



© 2003-2016 Arbeitskreis Versorgungstechnik