Thema des Monats Oktober 2003
Projekt Granger - Eine fächerübergreifende Unterrichtsreihe in der Fachschule für Technik

Das Thema des Monats Oktober ist dieses Mal durch Hermann Wilkens vom Berufskolleg 10 in Köln vermittelt worden. Er ist Mitglied des Arbeitskreises Versorgungstechnik. Das Thema des Monats zeigt auf, wie nach dem neuen Lehrplan Englisch – mit 80 Stunden vorgesehen – integrativ angeboten werden kann. Für Interessierte: bitte den Hinweis am Ende des Beitrags beachten.

Ein bisschen Angst haben sie schon vor ihm. Vor diesem Engländer. Vor diesem Mr Granger.

Deshalb wollen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Megaplan möglichst von ihrer besten Seite zeigen. Sie haben ihn schon mal vom Flughafen abgeholt, mit BFBS im Autoradio versteht sich. Auch Plätzchen und Tee hat es reichlich gegeben, denn er ist nicht gerade "jeder", dieser Mr Granger.

Aber wenn er nur wenigstens ein paar Wörter Deutsch könnte! Doch über "guten Tag" und "auf Wiedersehen" wird er wahrscheinlich nie hinaus kommen. Auch nie hinaus kommen wollen. Typisch Engländer, dieser Mr Granger.

Und was er sich vorstellt und verlangt für sein Einfamilienhaus, für sein castle (Schloss)! Mal wünscht er sich einen "pellet-fired boiler" (Pelletkessel) mit "radiant wall panels" (Wandheizung), mal läßt er Megaplan feststellen, ob sich sein Einfamilienhaus im Kölner Stadtgebiet mit "geothermal energy" (Erdwärme) beheizen läßt, von seinen Fragen nach "district heating" (Fernwärme) oder "flat plate collectors" (Flachkollektor) oder "photovoltaic arrays" (Anreihe photovoltaischer Kollektoren) ganz zu schweigen.

Hinzu kommt noch seine Inselmentalität. Da müssen sich die lieben Leute von Megaplan ganz schön umstellen. Unvorstellbar, aber es gibt tatsächlich ein Volk, das fast vollständig ohne Keller auskommt. Der Kessel kommt halt in die Küche oder sogar ins Wohnzimmer - in den Kamin! Einen "back boiler" (Kessel im Kamin) nennen sie so etwas, die Engländer. Sieht auch ganz passabel aus. Doch "back boilers" haben sich diesseits des Ärmelkanals doch nicht so richtig durchgesetzt, genauso wenig wie seine "soft copper micro-bore pipes" (Weichkupferrohrleitung mit kleinem Durchmesser) – Wasserleitungen mit ganzen 8 mm Außendurchmesser zu den Heizkörpern in den oberen Stockwerken. Und sie sollen nicht pfeifen? Mr Granger meint nein. Kann man ihm alles abnehmen, diesem Mr Granger?

Aber manches, wovon er spricht, findet man tatsächlich im Internet. Da gibt es "really" eine Bauanleitung für seinen "airing cupboard" (Einbauschrank um den Warmwasserspeicher) und seitenweise "hits" zu dem Begriff "feed and expansion cistern" (Füll- und Ausdehnungsgefäß).

In der Tat haben die Engländer ihre "unvented domestic hot water supply systems" (geschlossenes Warmwassersystem) erst im Jahre 1986 zugelassen. Sein Volk, meint Mr Granger, war in dieser Hinsicht halt vorsichtig. Deswegen läßt er sich zu einem "sealed system of central heating" (geschlossenes Zentralheizungssystem) nur äußerst widerwillig überreden. Er hat kein Vertrauen zu "sealed expansion vessels" (geschlossenes Ausdehnungsgefäß) oder "thermal cut-off devices" (Sicherheitstemperaturbegrenzer) oder gar "temperature relief valves" (Temperatursicherheitsventil). Wasser mit 65° C bei 1,5 Bar Druck ist ihm einfach zu viel. Der Mann hat Angst, dass bei einem Leck in der Leitung seine Hauskatze im Schlaf verbrüht. So etwas passiert nicht bei einem offenen System, meint Mr Granger. Ob Megaplan ihn mit einem "condensing boiler" (Brennwertkessel) umstimmen könnte?

Ganz schön lästig kann er auch sein, dieser Mr Granger. Aus heiterem Himmel ruft er an, ob jemand aus dem Megaplan-Team einen "showroom" (Ausstellungsraum) kennt, wo er und seine Frau sich ein paar "vanity units" (Waschbecken mit Unterschrank) anschauen könnten. Da muss man ganz flink mit dem "plumbing encyclopaedia" (Handbuch der Installationstechnik) oder Fachwörterbuch sein, wenn es heißt "Union Carbide, Fred Granger".

Noch nicht einmal voraussetzen kann man, dass er so spricht, wie es im Wörterbuch steht, dieser Mr Granger. Auf die ganz unverfängliche Frage, ob er einen "cock" (Hahn) in seinem "garden" haben möchte, bekommt das verdutzte Mitglied des Megaplan-Teams als Antwort, die Grangers haben nicht vor, Hühner auf dem Grundstück zu züchten. Für Mr Granger ist es halt nicht egal, ob es "a tap" (Armatur) ist oder "cock". Ja, es wird auch viel gelacht bei Mr Granger.


Das "Projekt Granger" ist eingebettet in den didaktischen Jahresplan der Fachschule für Technik am Berufskolleg 10 der Stadt Köln. Ausgehend vom Berufsbild des Technikers versuchen wir als ein Lehrerteam an unserer Schule den Unterricht so praxisbezogen wie möglich zu gestalten und dementsprechend handlungsorientiert und fächerübergreifend zu unterrichten.

Unter fächerübergreifend verstehen wir in diesem Zusammenhang nicht nur eine Verzahnung innerhalb des technischen Bereiches sondern gerade auch die Verknüpfung zu den Bereichen wie Kommunikation, Betriebswirtschaftslehre oder auch der Fachsprache Englisch.

Die folgende Projektskizze zeigt, wie wir eine solche fächerübergreifende Unterrichtseinheit umsetzen.

  • Übungsprojekt 1 unter Einbeziehung der fachrichtungsübergreifenden Kompetenzen

    Geplanter Projektbeginn Februar 2003

    Projekthistorie

    Wir, die Firma MEGAPLAN, sind beauftragt, die Heizungs-, Klima-, und Sanitäranlagen für das neu zu errichtende Kunststoff- Folienwerk der Firma UNION CARBIDE in Alsdorf zu planen. Unser Ansprechpartner bei der UNION CARBIDE in Deutschland ist der Manager Fred Granger. Den Auftrag für die Architekturplanung hat das Architekturbüro PARADE in Düsseldorf. Ansprechpartner bei PARADE ist der Architekt Herr Pracht.
    Mr. Granger ist erst kurze Zeit in Deutschland und beherrscht die deutsche Sprache nicht. Herr Granger beabsichtigt den Neubau eines Einfamilien- Wohnhauses für sich und seine Familie, die er baldmöglichst nachkommen lassen möchte. Mr. Granger bittet uns, natürlich gegen Bezahlung, ihm für dieses Einfamilien- Wohnhaus die Heizungs- und Sanitärplanung durchzuführen. Er teilt uns gleichzeitig mit, dass PARADE mit der Bauplanung bereits begonnen hat. Was bleibt uns jetzt anderes übrig...?

    Projektschritte
    Projektpläne anfordern (Grundrisse, Gebäudeschnitte und möglichst auch Ansichten M 1:50
    Telefonat mit Mr. Granger: Einladung zu einem ersten Gespräch mit Terminierung und Wegbeschreibung
    Anfertigung eines Einladungsschreibens mit Tagesordnung in der Fachsprache Englisch
    Gesprächsvorbereitung für das nachfolgende Gespräch mit Mr. Granger (Gesprächsdurchführung am 18.02.03)
    Zeitvorgabe: 1 Unterrichtseinheit


    Gesprächsdurchführung mit Mr. Granger: Brennstoffart (Öl, Erdgas, Flüssiggas, Einbindung von Solarenergie)
    Art der Brennstofflagerung bei Erdöl oder Flüssiggas: (oberirdisch, unterirdisch, außerhalb oder innerhalb des Gebäudes)
    Art der Heizflächen: (Fußbodenheizung, Plattenheizkörper, Radiatoren Stahl oder Guss, Konvektoren)
    Anordnung der Heizkörper im Raum
    Rohrleitungsmaterialien
    Art der Warmwasserbereitung: (direkt, indirekt, zentral oder dezentral)
    Art der sanitären Einrichtungen: (Präsentation von Herstellerkatalogen)
    Zeitvorgabe: 3 x 1 Unterrichtseinheit

Archiv Index nächste Seite



© 2003-2016 Arbeitskreis Versorgungstechnik