Thema des Monats März 2004
"Umsetzungshilfen für Lehrkräfte zur Gestaltung der Neuordnung – Eine Initiative des Arbeitskreises Versorgungstechnik"

Der Arbeitskreis Versorgungstechnik, der bereits seit 1990 Ausbildern und Lehrkräften der SHK-Branche mit Dienstleistungen zur Verfügung steht, hat auf seiner Sitzung am 10./11. November 2003 die Entscheidung getroffen, Umsetzungshilfen bei der Einführung des neuen Berufsbildes zu leisten. Da das BIBB eine solche Festlegung für den betrieblichen Teil der Ausbildung, also für Ausbilder in Betrieben und überbetrieblichen Berufsbildungsstätten, bereits Anfang 2003 beschlossen hatte, lag es für den Arbeitskreis nahe, sich bei seinen Arbeiten auf Lehrkräfte an Berufsschulen zu konzentrieren.
Der folgende Beitrag wurde von Manfred Hoppe auf der Abschlusstagung des Modellversuchs ForMat am 04./05.02.2004 in Hannover vorgetragen und für das Thema des Monats zur Verfügung gestellt.
Bevor Umsetzungshilfen des Arbeitskreises Versorgungstechnik beschrieben werden, sollen einige Anmerkungen zu "Umsetzungshilfen" erfolgen.

Zum Verständnis von Umsetzungshilfen

Um in Erinnerung zu rufen, was umgesetzt werden soll, wird noch einmal auf die bekannte Übersicht verwiesen, die 15 Lernfelder für die unterrichtliche Gestaltung enthält.



Der Begriff "Umsetzungshilfe" signalisiert nicht automatisch die Veränderungsdimensionen, um die es bei der Einführung des neuen Lehrplanes geht. Umsetzungshilfe klingt mechanistisch, etwa in dem Sinne, dass man sich lediglich bekannter und vertrauter Rezepte bedienen müsse. Um Rezepte geht es hier aber nicht. Vielmehr geht es um Reflexion, es bedarf der Veränderung des Verhaltens der Lehrkräfte ebenso wie einer zukunftsgerechten Gestaltung komplexer Lernstrukturen. In solchen Fällen wird gerne vom Paradigmawechsel gesprochen. Mit diesem Hinweis auf die Tragweite des Ansatzes sollen im folgenden drei Beispiele für Umsetzungshilfen aufgezeigt werden.

Umsetzungshilfe 1:

Den Lehrplan mit seinen Intentionen verstehen lernen

Wesentliches Merkmal des neuen Ausbildungsberufes ist die Orientierung an Lernfeldern und damit an berufsspezifischen Arbeits- und Geschäftsprozessen. Dabei sollen insbesondere auch regionale und betriebsspezifische Besonderheiten Berücksichtigung finden können.

Sinn und Zweck von lernfeldorientierten Lehrplänen ist u.a.:

Die schulischen Inhalte nicht abgehoben, sondern wieder näher an die berufliche Erlebnis- und Erfahrungswelt der Auszubildenden heranzuführen. Hiermit soll die Vermittlung beruflicher Handlungskompetenz im Unterricht ermöglicht bzw. erleichtert werden. Die Lern- bzw. Arbeitssituation als Gegenstand der selbstorganisierten und weitgehend eigenständigen Erarbeitung von Fachwissen und Können zu nutzen. Die Qualität von Unterricht durch die Eigenverantwortlichkeit des Auszubildenden zu verbessern und mehr Gestaltungsspielräume zu schaffen.
Der Lehrplan ist so aufgebaut, dass die Branchenschwerpunkte
  • Wassertechnik
  • Lufttechnik
  • Wärmetechnik
  • Umwelttechnik
angeboten werden. Um berufliche Handlungsfähigkeit zu erreichen, geht es neben der bekannten Fachkompetenz auch um
  • Methodenkompetenz
  • Sozialkompetenz
und letztlich auch um Mündigkeit und Kritikfähigkeit (manchmal auch als Personalkompetenz bezeichnet).
In der Ausbildung haben Lehrkräfte darauf zu achten, dass die angeführten Teilkompetenzen in der Summe zur beruflichen Handlungskompetenz führen. Das ist ein hoher Anspruch. Erschwert wird die Angelegenheit dadurch, dass auch
  • gesellschaftlich-politische Aspekte
  • psychologisch-soziologische Aspekte
bei der konkreten Gestaltung der Ausbildung und des Unterrichts hinzukommen.Der neue Lehrplan fordert Entscheidungen von den Lehrkräften und nimmt sie dafür in Verantwortung. Das Pädagogische Zentrum Rheinland-Pfalz hat mit seinen Ausführungen zur Einrichtung von Bildungsgangsteams und zur Entwicklung von Jahresarbeitsplätzen einen Weg aufgezeigt, wie mit Entscheidungen und Verantwortung im Team umgegangen werden kann. Der Arbeitskreis unterstützt diesen Ansatz, der unter www.pz.bildung-rp.de einzusehen ist.

Da mit diesem Instrumentarium den Lehrkräften nicht nur die Erfahrung fehlt, sondern sie in ihrer traditionellen Ausbildung geradezu gegensätzlich qualifiziert wurden, müssen dafür entsprechende Erfahrungsmöglichkeiten geschaffen werden. Die Tragweite der neuen Lehrpläne wird unbefriedigend bleiben, wenn den Lehrkräften die Chance vorenthalten wird, durch Maßnahmen der Fort- und Weiterbildung den Einstieg in eine andere berufliche Praxis zu gestalten.

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