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G2 in Hamburg:
Lernfeldgerechte Lernortgestaltung


Mit dem nach Lernfeldern strukturiertem Lehrplan der Anlagenmechaniker/innen für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik stellt sich für Lehrkräfte von Berufsschulen die Frage, wie eine entsprechende Lernortgestaltung dazu beitragen kann, handlungsorientiertes und selbstbestimmtes Lernen zu fördern. Die G2 hat die Antwort darauf mit der Entwicklung und Gestaltung von „Lernfeldräumen“ gefunden.

1) Raumgestaltung durch das Lernfeldkonzept

Neue curriculare Konzepte wie das des Lernfeldes, die praktische und theoretische Fachinhalte sowie die berufliche Handlungsfähigkeit in den Vordergrund stellen, fordern auch entsprechende Überlegungen zu den Medien als Arbeits-, Ausbildungs- und Qualifikationsmittel und den Lern- und Arbeitsumgebungen insgesamt. Ein solcher Ansatz muss in der Gestaltung der Lern- und Arbeitsräume durchgesetzt und beim beruflichen Lernen erlebbar werden. Die neuen Räume in der Gewerbeschule für Installations- und Sanitärtechnik in Hamburg sind im Jahre 2007 geplant und unter didaktisch-methodischen Gesichtspunkten umgebaut worden. Sie sind – wie es schulintern heißt – zu Lernfeldräumen geworden und zeichnen sich durch eine große Variabilität der Einsatzmöglichkeiten aus.


2) Lernorganisatorische Gestaltung der Lernfeldräume

Im Zuge der Baumaßnahme sind für fast alle Lernfelder zwei Klassenräume zu einem großen Lernfeldraum zusammengelegt wurden. Ein an Deckenschienen geführter Raumteiler in der Mitte des Raumes dient zur akustischen und räumlichen Trennung im Bedarfsfalle, wie z. B. bei arbeitsteiliger Gruppenarbeit.

Die eine Raumhälfte ist für Arbeitsplanungen und damit auch für die Vermittlung theoretischer Inhalte sowohl mit herkömmlichem (Tafel, OH-Projektor, Metaplanwände) als auch computergestütztem Unterrichtsmobiliar ausgestattet. Hierzu gehört u.a. ein im Lernfeldraum festinstalliertes Smartboard , dass die Möglichkeit bietet, Unterrichtsinhalte mit Filmsequenzen oder Powerpoint-Präsentationen zu visualisieren und Lösungswege – wie z.B. die Entwicklung eines Strangschemas oder die Planung des hydraulischen Abgleichs im Lernfeld 7- mit den Lernenden gemeinsam zu entwickeln.

Die andere Raumhälfte ist je nach Lernfeldinhalt für die nach der Planung folgende Ausführung der Installationen mit Installationswänden oder installationstechnischen Bauteilen und für eine fachgerechte Eigenkontrolle bzw. Überprüfung der durchgeführten Arbeiten durch die Schülerinnen und Schüler ausgestattet.

Im Raum für das Lernfeld 7 befindet sich die gesamte Wärmeverteilungsanlage des Lernfeldeinfamilienhauses, in kompakter Form auf die Raumhöhe angepasst.

Die Auszubildenden können die von Ihnen geplante Anlage mit der installierten ver- und abgleichen. Die Anlage bietet zudem die Möglichkeit, die Inbetriebnahme einer neu installierten Anlage in kleinen Schülergruppen fachgerecht durchzuführen und die einzelnen Bauteile zu warten.

3) Didaktisch-methodische Möglichkeiten durch die Lernfeldräume

Das Lernfeld „Installieren von Wärmeverteilungsanlagen“ befähigt die Auszubildenden zur Planung, Ausführung und Instandhaltung der Wärmeverteilungsanlage eines Einfamilienhauses.
Die Auszubildenden werden dabei in die Lage versetzt, die Zusammenhänge von Wärmebedarf und Wärmeverteilung zu erkennen, und einem Kunden die von Ihnen geplante Wärmeverteilung mit den notwendigen Bauteilen zu erklären.
Der Schwerpunkt des Lernfeldes liegt bei der Planung in der Auswahl der richtigen Heizkörperfläche und -art, einer Heizungsumwälzpumpe und eines Membranausdehnungsgefäßes, bei der Ausführung in der Inbetriebnahme und hier im hydraulischen Abgleich und bei der Instandhaltung in der fachgerechten Analyse und Behebung verschiedener Schadensbilder in einer bestehenden Wärmeverteilungsanlage. In das didaktisch-methodische Konzept werden ökonomisch-ökologische Aspekte eingebunden.

Mit der Gestaltung der Lernfeldräume bietet sich ein Unterricht in Projektform an. Nach einer mehrtägigen Informationsphase, in der die grundlegenden Kenntnisse für die Planung , Ausführung und Instandhaltung einer Wärmeverteilungsanlage von den Lernenden erarbeitet werden, beginnt ein Teil der Klasse das Projekt planerisch im Bereich der Heizkörperdimensionierung, Pumpen- und MAG-Auswahl und des hydraulischen Abgleichs im Projekthaus. Der hydraulische Abgleich kann dabei gemeinsam am Smartboard entwickelt werden.

Während dessen vergleicht eine kleine Schülergruppe die schon erarbeiteten Planungsergebnisse mit der im Lernfeldraum installierten Wärmeverteilungsanlage , führt die Inbetriebnahme an dieser direkt durch und protokolliert die Arbeiten.

Die gewünschte Orientierung an ganzheitlichen Arbeits- und Geschäftsprozessen in der Ausbildung kann bei der Planung, Ausführung, Kontrolle und Reflektion sowie Kundenberatung mit diesem Raumkonzept für fast alle Lernfelder durchgeführt werden.
Mit der Gestaltung der Lern- und Arbeitsumgebung gelingt ein Unterrichtskonzept, bei dem die Auszubildenden nach Bedarf von den Planungstischen zu den Installationsobjekten wechseln können, und so das vorher geplante am realen Objekt fachgerecht anwenden können. Sie können weitgehend selbstständig arbeiten und lernen. Dabei ist ihnen auch die Möglichkeit gegeben, den Arbeits- und Lernprozess selbst zu steuern oder zu organisieren.

4) Ausbaumöglichkeiten der Lernfeldräume

Das Lernfeldraumkonzept an der G2 hat sich in den letzten Jahren im unterrichtlichen Einsatz bewährt. Die Möglichkeit der räumlichen Trennung wird häufig in Phasen der planerischen Tätigkeiten genutzt, vor allem, wenn Lernende in unterschiedlichen Sozialformen bei der Planung arbeiten, können schnell Ruhezonen und eine individuelle Lernatmosphäre besser geschaffen werden als im herkömmlichen Klassenraum.

Die Lern- und Arbeitsumgebungen durch eine Raumgestaltung, die für das Lernfeldkonzept ausgelegt ist, sind wichtig, aber ein gutes Lernklima ist die Grundvoraussetzung für den gewinnbringenden Unterricht in den Lernfeldräumen.

Ist den Lernenden im bisherigen Verlauf ihrer Ausbildung deutlich geworden, wie Lernziele in unterschiedlichen Sozialformen miteinander erreicht werden können, so kann die Medienvielfalt und die räumliche Variabilität in der Ausbildung optimal genutzt werden.

Thematisiert man mit den Lernenden das Raumkonzept, so können sich dadurch von der Seite der Schülerinnen und Schüler weitere Anregungen zur Raumgestaltung und Ausbaumöglichkeiten ergeben.

Kontaktadresse für weitere Informationen zum Lernfeldraumkonzept und den didaktisch-methodischen Möglichkeiten:

Maike Pahl
Gewerbeschule Installationstechnik

Bundesstraße 58
20146 Hamburg
Tel.: 040-428958-0
email: Maike.M.P.Pahl@prowim.de



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