Willkommen auf der Homepage des Arbeitskreis Versorgungstechnik
SOL – Selbstorganisiertes Lernen in der Versorgungstechnik

1. Einführung
SOL ist keine neue methodische Variante, sondern ein Ansatz, der zwar mit neuen Methoden arbeitet, diese aber in ein inhaltlich und pädagogisch definiertes Unterrichtskonzept integriert und damit einen Rahmen liefert, um die viel beschworene neue Lern- und Unterrichtskultur praktisch umzusetzen. Obwohl grundlegende pädagogische und psychologische Forschungsergebnisse den Ansatz begründen, ist SOL kein wissenschaftliches Konzept, sondern setzt an der gegenwärtigen Schulrealität an und bietet Auszubildenden die Möglichkeit, schrittweise selbstständiges und selbstverantwortliches Arbeiten einzuüben. Umgekehrt können Lehrerinnen und Lehrer allmählich ihre traditionelle Rolle als den Unterricht dominierende Wissensvermittler in Richtung von Lernberatern verändern. Ausgangspunkt für die Planung einer SOL-Einheit ist stets das Thema/das Projekt mit den zu erarbeitenden Inhalten. Diese sind zunächst zu vernetzen, d.h. in eine nichtlineare Struktur zu bringen. In einem Advance Organizer, einer "Lernlandkarte", werden diese Zusammenhänge visualisiert und den Schülern als Überblick über das zu behandelnde Thema vom Lehrer präsentiert. Damit die Auszubildenden Transparenz darüber erhalten, was Sie lernen sollen, wird ihnen zu Beginn der Unterrichtseinheit eine Kann-Liste ausgeteilt. Eine sehr wirksame kooperative Lernform ist das Gruppenpuzzle, in dem sich die Auszubilden die Inhalte weitgehend selbstständig erarbeiten und ihr Wissen den anderen Auszubildenden mitteilen.
Ziel des Unterrichts nach SOL ist, dass den Auszubildenden die Lernprozesse möglichst in eigenen Strukturen begreifen. Deshalb wird zur Erarbeitung und Festigung der Lerninhalte die Methode Strukturlegen angewandt. Im folgende werden die o. g. methodischen Elemente näher erläutet.

2. Advance Organizer (AO)
Wenn Referenten Vorträge beginnen, dann ist es für Zuhörer sinnvoll, wenn die Ziele und der Ablauf bekannt gegeben werden. Übersicht und Transparenz erleichtern es den Zuhörern, die Gedanken des Referenten nachzuvollziehen und die Kernaussagen zu verstehen. Auch zu Beginn eines Unterrichts nach SOL-Prinzipien ist es sinnvoll, wenn die Lehrkraft durch einen informierenden Unterrichtseinstiegs für Transparenz und Übersicht über den zu bearbeitenden Lernstoff sorgt. Wissenschaftlicher Hintergrund dieser Unterrichtseinstiege ist, dass unser Gehirn Schemata, Regeln und Modelle generiert. Es werden sog. „kognitive Lernlandkarten“ im Gehirn angelegt. Dabei werden neue Information mit schon bestehenden verknüpft und in gegebene Strukturen eingeordnet.


Beispiel für einen Advance Organizer

3. Kann-Listen (KL)
KL sind Instrumente, mit denen der Auszubildende die Möglichkeit erhält, seinen bisherigen Leistungstand vor einer Leistungskontrolle selbst zu überprüfen. Darüber hinaus helfen ihm die KL, um sich auf die Zwischen- und Gesellenprüfung vorzubereiten. Dabei wird ihm die Möglichkeit gegeben, über seinen bisherigen Leistungsstand zu reflektieren, indem er eigenverantwortlich und ehrlich die KL bearbeiten kann. Dabei ist gegenüber dem Auszubildenden immer wieder zu betonen, dass die KL eine konkrete Hilfe für ihn persönlich darstellt und kein Kontrollinstrument des Lehrers ist. Die Lehrkraft kann durch KL ein Höchstmaß an Transparenz darüber schaffen, welche Leistungen von einem Auszubildenden erwartet werden. Die Schaffung von Transparenz bezüglich der Leistungsanforderungen und die Möglichkeit für den Auszubildenden, eigenständiger seinen Lernprozess zu steuern wirkt sich positiv auf das Unterrichtsklima aus. Außerdem ermöglichen KL der Lehrkraft die notwendige Binnendifferenzierung unter normalen Unterrichtsbedingungen anzustoßen.

4. Das Gruppenpuzzle
Die Methode des Gruppenpuzzles wurde in den 70er Jahren entwickelt. Aufgabe dieser Sozialform ist es, bei der Vermittlung von Fachkompetenzen auch gezielt die Methoden- und Sozialkompetenzen der Schüler zu fördern. Außerhalb der Schule wird diese Methode auch erfolgreich in der Erwachsenenbildung eingesetzt. Die Arbeit in einem Gruppenpuzzle eignet sich immer dann, wenn umfangreiche Wissensinhalte vermittelt werden sollen.


Aufgabenformate
Das Wissensgebiet muss sich in 3 bis 4 Teilthemen zerlegen lassen. Diese Teilthemen sollten so ausgewählt werden, dass nach Möglichkeit kein reines Faktenwissen abgefragt wird. Empfehlenswert sind Aufgabenstellungen, in denen etwas erklärt werden muss. Das kann beispielsweise ein Funktions- bzw. Geschäftablauf, eine Arbeitsplanung, die kurze Zusammenfassung eines Textes zu einem Infoblatt oder die Beschreibung eines Lösungsansatzes von Aufgaben in der Mathematik sein. Besonders geeignet ist der Einsatz eines Gruppenpuzzles auch beim Lernen im fachpraktischen Unterricht, in fächerübergreifenden Projekten sowie in der Lernfeldarbeit.

Betreuung
Während der Arbeitsphase des Gruppenpuzzles steht die Lehrkraft den Lernenden beratend zur Verfügung. Dabei sollte beachtet werden, dass sich die Lehrkraft zurückhaltend verhält, d. h. Anfragen aus den Expertengruppen nicht vorschnell beantwortet und damit die Führungsrolle übernimmt, indem sie der Gruppe alles sofort erklärt. Versuchen Sie einen Paradigmenwechsel: Nicht Lehrkraft fragt und Schüler antwortet, sondern Schüler fragt und Lehrkraft antwortet!

5. Strukturlegen
Die Sortieraufgabe mit dem Lernziel der individuellen Informationsverarbeitung fördert das Denken in eigenen Strukturen. Im folgende werden die drei Schritte zur Durchführung dieser Methode aufgezeigt:

1. Sortieren der Karten
  • Die Karten werden ausgeschnitten.
  • Die Schüler unterscheiden in Einzelarbeit die Begriffe nach: „kann ich“ (Auszubildender kann den Begriff einordnen) und „kann ich nicht“.
  • Besprechung der Karten „kann ich nicht“ in der Gruppe, wenn notwendig kann Lehrbuch/Hefter usw. herangezogen werden. Auch Rückfragen an den Lehrer sind erlaubt.
2. Das Strukturlegen
  • Die Kärtchen werden in Einzelarbeit nach einer persönlichen Ordnung/Struktur auf ein DIN A3/A4 – Blatt im Querformat geschoben.
  • Kärtchen, die nicht in die Struktur passen, werden nicht verwendet.
  • Zusätzliche Ergänzungen wie Beziehungspfeile, farbige Absetzungen, Zeichnungen, Joker-Karten usw. sind einzufügen.
3. Gegenseitiges Erklären
Nach der Fertigstellung der Strukturlegearbeit erklärt jeder Auszubildende seine Struktur einem anderen Auszubildenden. Dabei werden ggf. Fehler innerhalb der Strukturen korrigiert.

Die folgende Abbildung zeigt ein Beispiel aus dem Ausbildungsangebot "Einbindung von Brennstoffzellen-Heizgeräten in Heizungsanlagen".


Abschließender Hinweis zu SOL: Ein Ausbildungsangebot zum "Umgang mit Kunden" aus dem Lernfeld 2b, das an der MTS vermittelt wird, wird Anfang 2013 in "Erprobt und bewährt" vorgestellt.

Quellen
Herold/Herold (2011): Selbstorganisiertes Lernen in Schule und Beruf: Weinheim und Basel: Beltz

http://www.skol-berlin.de
http://www.sol-institut.de
http://lehrerfortbildung-bw.de

Kontakt: Frank Weimann – weimann.berlin [at] googlemail.com



© 2003-2016 Arbeitskreis Versorgungstechnik